Wenn Algorithmen Kunst nicht verstehen
Warum Shibari online oft unsichtbar bleibtund was das über moderne Medien verrät
Die digitale Welt beurteilt heute Bilder und Inhalte,
bevor ein Mensch sie überhaupt sehen kann.
Was dabei entsteht, sind absurde Fehleinstufungen,
blockierte Beiträge
und eine Sichtbarkeit, die nicht vom Inhalt abhängt,
sondern vom Zufall eines Filters.
Dieser Blog ist ein Blick hinter die Kulissen:
Wie Plattformen Kunst falsch lesen,
und warum Shibari mehr Kontext braucht
als ein Algorithmus je erkennen kann.
Die realen Beispiele weiter unten geben einen kleinen Einblick, wie grotesk diese Mechanismen werden können.
⭐ Wenn moderne Medien Kunst falsch verstehen
Shibari und die unsichtbaren Grenzen der Algorithmen
Shibari ist eine Kunstform, die auf Präsenz, Vertrauen, Linienführung und Begegnung basiert.
Aber in der digitalen Welt wird Shibari heute oft nicht mehr von Menschen gesehen, sondern von Algorithmen.
Und genau dort entsteht ein Problem, das viele Körperkünstlerinnen, Fotografinnen, Tänzer*innen und Content Creator betrifft:
Plattformen verstehen keine Kontexte.
Sie verstehen Muster.
Und Shibari passt nicht in ihre Muster.
Ich merke das täglich.
Und dieser Blogbeitrag soll ein Einblick sein in das, was passiert, wenn Kunst durch automatische Filter beurteilt wird – statt durch Menschen.
⭐ Das Grundproblem: Eine digitale Welt ohne Kontext
In den meisten großen Plattformen entscheidet nicht mehr ein Mensch, ob ein Bild oder ein Text sichtbar bleibt – sondern ein System, das nach Kriterien arbeitet wie:
-
Wie viel Haut ist zu sehen?
-
Welche Schlüsselwörter tauchen auf?
-
Wirkt ein Motiv „körpernah“?
-
Welche Algorithmen haben ähnliche Bilder als „riskant“ eingestuft?
Shibari kann je nach Kontext vieles sein – künstlerisch, intim, emotional, ästhetisch oder auch erotisch.
In meinem eigenen Angebot und in meinen Ausstellungen zeige ich jedoch bewusst die nicht-pornografische, künstlerische und zwischenmenschliche Seite dieser Kunstform.
Und genau hier entstehen die Probleme:
Automatische Missverständnisse.
Falsche Einstufungen.
Verlust von Sichtbarkeit.
Wegfall von Chancen.
Nicht, weil der Inhalt tatsächlich problematisch wäre –
sondern weil die Systeme keinen Kontext erkennen.
Es ist kein böser Wille.
Es ist digitale Blindheit.
⭐ Wie Plattformen auf Shibari reagieren
ein Muster, das sich wiederholt
Ob Instagram, Amazon, Google, Kleinanzeigen oder LinkedIn:
Die Namen unterscheiden sich, die Probleme ähneln sich erstaunlich stark.
✔ Instagram / Meta
-
Bilder werden falsch markiert
-
Sichtbarkeit bricht ein
-
Shadowbans treten ohne Erklärung auf
Nutzer werden gesperrt ohne echte Einspruchsmöglichkeiten
-
echte Supportkanäle existieren praktisch nicht
-
selbst künstlerische Fotos gelten als „Adult Content“
✔ Amazon (KDP / Ads)
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Bücher werden akzeptiert, Werbung jedoch abgelehnt
-
automatische Antworten, kein Mensch prüft Inhalte
-
Algorithmen reagieren allein auf Worte wie „Shibari“
✔ Google Business
-
Unternehmensprofile werden fälschlich blockiert
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Überprüfungen laufen automatisiert
-
keine Möglichkeit zur sinnvollen Erklärung
✔ Kleinanzeigen
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Workshops und Ausstellungen werden gelöscht
-
wechselnde, widersprüchliche Begründungen
-
von „Spam weil Eintritt frei“ bis „pornografische Dienstleistung“
-
theoretisch professionell, praktisch genauso restriktiv
-
Körperkunst wird kaum angezeigt
-
Werbung wird abgelehnt
Die Gemeinsamkeit all dieser Fälle:
Kein Mensch schaut hin.
Ein Algorithmus entscheidet – und selten richtig.
⭐ Wie es sich anfühlt,
wenn Kunst unsichtbar wird
Sichtbarkeit ist nicht nur für mich wichtig.
Sie ist entscheidend für diejenigen, die Shibari in einem sicheren, künstlerischen und professionellen Rahmen kennenlernen wollen.
Wenn Plattformen meine Inhalte falsch einstufen und löschen, bedeutet das:
-
Interessierte finden keine Workshops
-
Menschen verpassen Veranstaltungen
-
die Möglichkeit, Shibari abseits von Fetischbildern kennenzulernen, verschwindet
-
wertvolle Begegnungsräume bleiben unentdeckt
Für mich fühlt es sich an, als würde ich wichtige Türen öffnen – und Algorithmen sie sofort wieder zuschieben.
Ich versuche zu erklären, widerspreche, reiche Beschwerden ein – und bekomme dennoch nur standardisierte Antworten, die meinen Kontext nicht erfassen.
Ein Algorithmus korrigiert sich nun mal nicht, nur weil man ihm sagt, dass er einen Fehler macht.
⭐ Was gut funktioniert
und warum das wichtig ist
Bei aller Kritik möchte ich etwas ausdrücklich betonen:
Es gibt Plattformen, die Shibari verstehen –
oder zumindest offen genug sind, um es nicht vorschnell zu verurteilen.
Diese möchte ich bewusst nennen:
✔ Joyclub
Eine Community, die Körperbewusstsein, alternative Lebensentwürfe und Vielfalt akzeptiert.
Inhalte werden gesehen, Interaktionen entstehen, Menschen sind offen und neugierig.
✔ Fetlife
Ein Ort, der Raum für Austausch, Vernetzung und künstlerische Projekte lässt –
bislang zumindest ohne Angst vor Fehlinterpretation durch KI.
✔ Printmedien
Überraschend stabil und zuverlässig:
Zeitungen, lokale Magazine, Gemeindeblätter.
Wenn man dort Werbung schaltet, prüft ein Mensch den Inhalt.
Es gibt keine Algorithmen, die „Hautpixel“ zählen, keine automatischen Löschungen, keine Fehlurteile.
Die Realität ist allerdings auch hier spürbar:
-
Print wirkt oft nicht mehr stark
-
Die Zielgruppen lesen weniger regional
-
Anzeigen sind teuer
-
Reaktionen bleiben selten
Aber eines funktioniert zuverlässig:
Man wird fair behandelt.
Man wird gesehen.
Man wird verstanden.
Und das ist 2025 schon ein Wert an sich.
⭐ Warum diese funktionierenden Kanäle nicht genug sind
Joyclub und Fetlife haben stabile Communities – aber sie erreichen nicht die Menschen, die ausserhalb von Fetisch und Swinger nach neuem suchen,
für die Shibari eine neue, inspirierende oder kunstvolle Erfahrung sein könnte.
Printmedien arbeiten fair – aber sie verlieren Reichweite.
Wenn Shibari nur in Nischen stattfindet, bleibt es eine Nische.
Aber Shibari ist:
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Kunst
-
Begegnung
-
Körperwahrnehmung
-
Vertrauen
-
Achtsamkeit
-
nonverbale Kommunikation
-
ein Gegenentwurf zu digitaler Hektik
Und all das gehört nicht in versteckte Räume –
es gehört, zumindest für mich, mit in die Mitte der Gesellschaft.
⭐ Warum ich trotzdem weitermache
Weil ich weiß, wie viele Menschen Shibari berührt.
Wie viele in Workshops aufblühen, zur Ruhe kommen oder sich selbst neu erleben.
Wie viele Ausstellungen nutzen, um Klischees abzulegen.
Wie viele in Sessions das erste Mal wieder atmen.
Shibari ist zu wertvoll, um sich von Algorithmen ausbremsen zu lassen.
Und deshalb mache ich weiter:
-
Ausstellungen, die Kunst sprechen lassen
-
Workshops, die Fühlen ermöglichen
-
Blogartikel, die erklären
-
Bücher, die einladen
-
Bilder, die Geschichten erzählen
Kunst braucht Menschen, nicht Maschinen.
Und Shibari braucht Räume, die sehen – nicht filtern.
⭐ Fazit: Sichtbarkeit darf nicht algorithmisch entschieden werden
Die modernen Medienriesen haben Macht, aber sie haben kein Verständnis.
Sie lesen Pixel, nicht Geschichten.
Sie analysieren Muster, nicht Emotionen.
Sie sehen Haut, aber nicht Kontext.
Doch echte Menschen können das.
Deshalb ist es wichtig, Shibari weiter sichtbar zu machen, trotz der Hürden.
Auf Plattformen, in Räumen, in Ausstellungen – überall dort, wo Menschen bereit sind, hinzuschauen.
Nicht, weil es einfach ist.
Sondern weil es wertvoll ist.
⭐ Beispiel aus der Praxis:
Wenn Kunst plötzlich „sexuell motivierte Kontaktaufnahme“ sein soll
Bildunterschrift:
Seile und der menschliche Körper –
eine Verbindung aus Berührung und Emotion.
Fotografie wird zum Freund, der uns einlädt
zu teilen und in Kunst zu verwandeln.
Ein reales Beispiel aus meinen eigenen Veröffentlichungen:
Ein ästhetisches Shibari-Foto, voll angezogen, klar künstlerisch, ohne sexuelle Handlung, ohne Nacktheit, ohne irgendeine Aufforderung zu irgendetwas.
Trotzdem lautete die Begründung der Plattform:
„Dieses Foto kann den Eindruck sexueller Handlungen vermitteln oder dazu auffordern.“
Das war das Ergebnis einer sogenannten zweiten Überprüfung.
Der wahrscheinliche Auslöser?
Nicht der Inhalt – sondern schlichte Stichworte wie Ropes, Touch, Emotion, die ein Algorithmus falsch kombiniert.
Für die meisten Menschen klar als künstlerischer Inhalt erkennbar.
Für automatisierte Systeme ein Fehlalarm.
Und das Resultat ist jedes Mal dasselbe:
Der Beitrag wird entfernt, obwohl absolut nichts daran sexualisiert ist.
Mein Buch-Cover – erst zugelassen, dann „sexuell anzüglich“
Ein besonders absurdes Erlebnis hatte ich, als ich mein Lehrbuch Shibari Lernen 1 auf Amazon bewerben wollte.
Das Buch wurde von Amazon KDP problemlos veröffentlicht, verkauft und als unbedenklich eingestuft.
Doch sobald ich Werbung schalten wollte, begann eine kafkaeske Schleife aus Ablehnungen.
Unter anderem wurde mir mitgeteilt, dass mein Cover:
„sexuelle Anspielungen“ enthalte
„anzügliche Posen“ zeige
„sensible Körperbereiche“ sichtbar mache
„unangemessene Aufmerksamkeit auf Brust oder Gesäß“ lenke
und ich solle sicherstellen,
„keine Minderjährigen in sexuellen Situationen abzubilden“
Wer das Cover daneben sieht, versteht sofort, wie absurd diese Aussagen sind.
Für mich vermittelt dieses Foto Ruhe, Fokus und Vertrauen.
Andere mögen es anders lesen – aber die Unterstellungen der automatischen Moderation haben mit der tatsächlichen Intention des Motivs nichts zu tun.
Und genau hier zeigt sich das Problem:
Nicht ich, nicht das Bild, nicht der Kontext war das Problem –
sondern die automatische Textbaustein-Logik der Moderation.
Der Algorithmus sah „Körper“ + „Seil“ –
und wählte aus der Liste aller möglichen Vergehen einfach die drastischsten aus, ohne echten Bezug zum tatsächlichen Motiv.
Wenn ein kostenloser Workshop plötzlich „pornografische Dienstleistung“ sein soll
Shibari Schnupperabend
–
Faszination der japanischen Seilkunst
Eine Anzeige für einen kostenlosen Shibari-Schnupperabend wurde gelöscht und mehrmals abgelehnt – und zwar jedes Mal mit einer anderen Begründung.
Zunächst hieß es, die Anzeige sei am „falschen Ort“.
Beim nächsten Versuch war es plötzlich eine „doppelte Anzeige“, obwohl es sich um zwei völlig verschiedene Veranstaltungen handelte.
Dann wurde mir eine „irreführende Preisangabe“ vorgeworfen – weil das Event kostenlos war.
Und schließlich folgte der „Knaller“:
Die Veranstaltung sei eine „pornografische oder jugendgefährdende Dienstleistung“.
Das alles, obwohl der Schnupperabend öffentlich, künstlerisch und klar als Kulturveranstaltung gekennzeichnet war.
Und es wurde noch absurder:
Auf meine Nachfrage erklärte man mir schriftlich, Shibari könne „häufig auch ein Fetisch sein“ – und deshalb dürfe es grundsätzlich nicht auf einer Plattform erscheinen, die Minderjährigen zugänglich ist.
Eine Argumentation, die so pauschal ist, dass man damit im Grunde halb Kleinanzeigen sperren könnte – denn fast jedes Alltagsobjekt kann von irgendwem fetischisiert werden.
Das hat jedoch nichts mit Kunst, Kontext oder tatsächlichem Angebot zu tun.
Das wichtigste Detail:
Jeder neue Einspruch führte zu einer neuen, völlig anderen Ablehnungsbegründung – als würde das System zufällig eine Fehlkategorie ziehen, anstatt den Inhalt tatsächlich zu prüfen.
Nicht die Veranstaltung war das Missverständnis, sondern der Mechanismus dahinter.
Wenn Bewertungen ohne Blick entstehen, verliert sich der Sinn – und manchmal verschwindet Sichtbares, ohne je wirklich gesehen worden zu sein.
Wenn du spürst, dass noch etwas nachklingt,
dann findest du auf meiner Seite viele weitere Gedanken rund um Körperkunst,
Verbindung und die Feinheiten der Seile.
Manchmal öffnen Blogtexte Türen – und Bücher helfen, einen Schritt weiterzugehen.
Meine Veröffentlichungen im Selbstverlag reichen von humorvollen Momentaufnahmen
bis zu praktischen Grundlagen für den eigenen Start im Seil.
Wenn du tiefer eintauchen möchtest, bist du dort herzlich eingeladen.
